Berichte
aus dem Schulleben und den Fachbereichen
Alles für die Tonne
Ein Wochenende voller Ideen, rhetorischer Entwicklung und unternehmerischer Energie erlebten Schülerinnen und Schüler des Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums Bayreuth beim Pitch-Wochenende auf Kloster Banz. Gemeinsam mit Teams des Jack-Steinberger-Gymnasiums Bad Kissingen sowie des Neuen Gymnasiums Nürnberg stellten sie sich einer anspruchsvollen Herausforderung: In nur fünf Minuten mussten sie ihre Geschäftsidee überzeugend präsentieren, bevor der Gong im großen Konferenzraum ertönte. Danach folgten weitere fünf Minuten Juryfragen, die es in sich hatten.
Schon der besondere Ort trug wesentlich zur Atmosphäre des Wochenendes bei. Kloster Banz bot nicht nur einen eindrucksvollen Rahmen, sondern wirkte spürbar motivierend auf die Arbeitsweise der Schülerinnen und Schüler. Der Tapetenwechsel, die konzentrierte Umgebung und der Abstand zum normalen Schulalltag führten zu einer sehr zielstrebigen und zugleich produktiven Arbeitsatmosphäre. Man konnte deutlich erkennen, wie sehr die Jugendlichen diese besondere Location nutzten, um an ihren Präsentationen, Argumentationslinien und rhetorischen Fähigkeiten zu feilen.
Am Freitag standen zunächst rhetorische Grundlagen im Mittelpunkt. Nach dem Check-in und dem gemeinsamen Abendessen arbeiteten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen intensiv an ihrer Wirkung, ihrer Sprache und ihrem Auftreten. Besonders erfreulich war dabei, wie selbstständig die Gruppen die rhetorischen Übungen mithilfe des ausführlichen Arbeitsmaterials durchführten. Die Lehrkräfte konnten dadurch sehr gezielt unterstützen, individuelle Rückmeldungen geben und dort helfen, wo die Gruppen noch Feinschliff benötigten.
Am Samstag wurde es dann ernst. Nach einer intensiven Vorbereitungsphase mit Konzeptarbeit, Mentor-Unterstützung und Videoanalyse folgte am Nachmittag der große Pitch-Teil. Die Jury war hochkarätig besetzt: Tobias Tyll, Vorsitzender der Wirtschaftsphilologen und Landesbeauftragter für das Fach Wirtschaftsinformatik, Dr. Alexandra Sperschneider, Patentanwältin, Daniel Heller, Ausbildungskoordinator der VEMA, sowie Iman Hamadi, Startup Coach an der FAU, nahmen die Geschäftsideen genau unter die Lupe.
Das Niveau der Beiträge war beeindruckend. Fertige Prototypen, professionelle Präsentationen, kreative Problemlösungen und eigens programmierte Apps zeigten, wie viel Arbeit und Engagement in den Projekten steckte. Insgesamt war im Vergleich zum Vorjahr nochmals eine deutliche Steigerung erkennbar. Besonders erfreulich war aus MWG-Sicht, dass bei wirklich jeder Gruppe eine erhebliche Leistungssteigerung im Vergleich zum ersten Pitch-Abend in der heimischen Aula sichtbar wurde. Die Schülerinnen und Schüler traten sicherer auf, argumentierten klarer und zeigten, dass sie ihre rhetorischen Fähigkeiten spürbar verbessert hatten.
Auch in den anschließenden Fragerunden mussten die Teams beweisen, dass sie ihre Geschäftsidee nicht nur präsentieren, sondern auch fachlich durchdringen konnten. Die Jury fragte kritisch nach, prüfte Marktchancen, Umsetzbarkeit, Zielgruppen, Kostenstrukturen und Alleinstellungsmerkmale. Viele Gruppen zeigten dabei bereits erstaunlich ausgeprägte Kompetenzen in Gesprächsführung, Reaktionsfähigkeit und sachlicher Argumentation.
Nach den Pitches stieg die Spannung. Die Jury benötigte angesichts der vielen starken Präsentationen ganze 45 Minuten, um zu einer Entscheidung zu kommen. Diese lange Beratungszeit machte deutlich, wie eng das Teilnehmerfeld beieinanderlag.
Den dritten Platz belegte Eternelle HNS vom Neuen Gymnasium Nürnberg. Besonders bemerkenswert war dabei, dass sich eine Schülerin ganz allein der Jury stellte. Sie präsentierte eine Handtasche als Prototyp, die nicht nur dem Chaos in der Tasche entgegenwirken soll, sondern zugleich durch individuell verwendete Materialien jedes Modell zu einem echten Unikat macht.
Platz zwei ging an Frever vom Jack-Steinberger-Gymnasium Bad Kissingen. Das Team überzeugte mit einer eigens programmierten App, die in Verbindung mit kleinen Kameras das Einkaufen erleichtern und zugleich verhindern soll, dass Lebensmittel künftig unbemerkt im Kühlschrank ablaufen.
Der erste Platz ging schließlich an das MWG-Team Floorganics. Nachdem die Gruppe beim Wettbewerb in der Aula noch den zweiten Platz erreicht hatte, gelang ihr auf Kloster Banz nun der verdiente Sprung nach ganz oben. Ihre Idee: Biotonnen im und vor dem Haus hygienischer machen, indem Gerüche bereits im Keim unterbunden und Feuchtigkeitsansammlungen durch einen Schwamm verhindert werden. Eine Beschichtungsfolie mit Lotuseffekt an den Wänden soll diesen Effekt zusätzlich unterstützen. Gleichzeitig sollen die eingesetzten Gerüche dazu beitragen, Ungeziefer fernzuhalten.
Der Pitch war nicht nur fachlich überzeugend, sondern auch in seiner Inszenierung äußerst gelungen. Denn wer schleppt schon eine Biotonne aus Bayreuth mit nach Kloster Banz, um sie dann als zentrales Element einer Präsentation einzusetzen? Genau dieser Mut, die eigene Idee greifbar zu machen, verbunden mit einer klaren Argumentation und einem souveränen Auftritt, machte den Sieg besonders verdient.
Neben dem fachlichen Programm bot das Wochenende auch Raum für Gemeinschaft. Am Abend konnten die Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Angeboten wählen: Kegelbahn, Schwimmbad, Fitnessraum, Tischtennis oder einfach gemütliches Zusammensitzen. Nach den intensiven Arbeitsphasen waren viele allerdings so erschöpft, dass der Weg in die eigenen Zimmer oft erstaunlich schnell gefunden wurde. Auch dies zeigte, wie konzentriert und engagiert die Jugendlichen den Tag genutzt hatten.
Besonders hervorzuheben ist die durchweg sehr gute Disziplin unserer Schülerinnen und Schüler. Das gesamte Wochenende verlief angenehm, zuverlässig und in einer Atmosphäre, die sowohl produktiv als auch wertschätzend war. Für alle Beteiligten war es ein Gewinn: fachlich, rhetorisch, persönlich und gemeinschaftlich.
Ein herzlicher Dank gilt Dr. Alexandra Sperschneider und Daniel Heller von der VEMA für das Sponsoring der Preise für die Gewinnerteams. Ebenso danken wir der VEMA für die Getränkespenden, damit die rauchenden Köpfe während des intensiven Wochenendes stets ausreichend mit Flüssigkeit versorgt waren.
Nach diesem gelungenen Wochenende laufen die Planungen für das kommende Jahr bereits. Dann soll das Format sogar um eine weitere Schule erweitert werden. Man darf also gespannt sein, ob das MWG seine Siegesserie auch im nächsten Jahr fortsetzen kann.
Friedrich, Müller

