Berichte
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„Simpel“ – Das Theater Hof am MWG
Am Dienstag, dem 10. Februar 2026, durfte die Theatergruppe der Unterstufe des Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums Bayreuth einem Gastspiel des Jungen Theaters Hof beiwohnen. Gespielt wurde „Simpel“, ein Klassenzimmerstück von Matthias Günther nach dem Roman von Marie-Aude Murail.
Worum geht es in SIMPEL?
„Hier sind alle total blöd! Barnabé, liebevoll „Simpel“ genannt, kann blitzschnell zählen: 7, 9, 12, tausend, hundert. Simpel ist 22 Jahre alt, doch mental auf dem Stand eines dreijährigen Kindes. Nach dem Verlust seiner Mutter und der schwierigen Beziehung zu seinem Vater, der ihn in ein Heim stecken möchte, übernimmt sein jüngerer Bruder Colbert die Verantwortung für ihn. Als die beiden Brüder zusammen in eine WG ziehen, wird dies zu einer turbulenten Herausforderung, denn Simpel ist alles andere als simpel.
Die französische Autorin Marie-Aude Murail, die für ihren Roman SIMPEL unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, erzählt mit einem feinen Gespür für Humor und Witz eine berührende und unterhaltsame Geschichte über Anderssein, Beeinträchtigung und Liebe. Sie zeigt, dass mit Courage und Zusammenhalt selbst das scheinbar Unmögliche gelingen kann. Am Ende wird niemand mehr ohne Simpel sein wollen – ein Stück, das zum Lachen und Nachdenken anregt und die Herzen berührt.“ (Quelle: Website des Theaters Hof)
Die Aufführung als ganz besonderes Erlebnis
Gespannt und fasziniert schauten die 30 Kinder der Klassen 5-8 dem Schauspieler Etienne Moussou zu, wie er im Einpersonenstück in verschiedene Rollen schlüpfte und dabei eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit zeigte. Er spielte alle Rollen selbst: Unter anderem den Simpel, der auf dem mentalen Stand eines kleinen Kindes ist, dann wieder den 17-jährigen überforderten „kleinen“ Bruder Colbert, der versucht, neben der Schule und der eigenen Entwicklung Verantwortung für seinen Bruder zu übernehmen. Außerdem war er zu sehen als Mitschülerin Sara, die selbst eine Schwester mit Handicap hat und als WG-Mitbewohner, der irgendwie versucht, mit Simpel zurecht zu kommen – alles in allem schaffte er es, als einzelne Person ein ganzes Ensemble auf die Bühne zu bringen.
Die Kinder erlebten innerhalb des Stücks eine Achterbahn der Gefühle: Es war lustig, traurig, irgendwie kaum zu fassen und gleichzeitig doch nachvollziehbar. Regisseurin und theaterpädagogische Betreuerin Zuzana Masaryk schaffte eine ganz einzigartige Atmosphäre, indem sie Etienne Moussou während der Vorstellung durch die Stuhlreihen laufen ließ und interaktive Elemente einbrachte, sodass die Kinder sich ganz als Teil der Aufführung fühlten.
Das Nachgespräch
Dies bemerkte man auch im Nachgespräch, das die Kinder mit Regisseurin und Schauspieler führen durften. Interessiert fragten sie nach inhaltlichen Aspekten zum Stück (Mit wem ist der Bruder denn dann zusammen gekommen?), aber auch produktionstechnische Fragen wurden gestellt (Hat das Theater Hof das Stück selbst geschrieben?), sowie Fragen zur Arbeit eines Schauspielers (Wie kannst du dir den ganzen Text merken? Wie kann man so viele Rollen auf einmal spielen?). Zusammen sammelten die Kinder die für sie wichtigen Aspekte zur Kernaussage des Stücks: Es geht um Verantwortung. Um die Verantwortung, die der 17-jährige Colbert für seinen Bruder übernimmt und dabei sich selbst vernachlässigt.
Alles in allem können die Kinder auf intensive 90 Minuten zurückschauen und sammeln auch so Erfahrung darin, Theaterstücke nicht nur zu rezipieren, sondern sich mit dem Stoff und der Inszenierung sinnvoll auseinanderzusetzen und etwas für sich selbst herauszuziehen.
Wir danken dem Jungen Theater Hof für das Gastspiel!
Auf den Bildern sehen wir Etienne Moussou und Zuzana Masaryk zusammen mit der Theatergruppe der Unterstufe im Nachgespräch.
Nora Oeser

