Berichte
aus dem Bereich Erasmus+
MWG und IES Cárbula – die verbindende Kraft von Erasmus+
Almodóvar del Río – 8040 Einwohner, 30 km südwestlich von Córdoba, spanische Provinz am Fluss Guadalquivir. Die ersten Assoziationen der Erasmus+Gruppe, bestehend aus 9 Schülerinnen, einem Schüler und den beiden Spanischlehrkräften Frau Bode und Herrn Raps, werden wohl sehr unterschiedlich gewesen sein, dürften aber in einem Punkt übereingestimmt haben:
Warum dieser Ort und was machen wir dort?
Die erste Frage ist sehr schnell beantwortet: Dieser Ort ist der Sitz unserer Partnerschule IES Cárbula, Spanisch „Instituto de Enseñanza Secundaria Cárbula“. Die Schule trägt in ihrem Namen die alte römische Bezeichnung der Stadt, die schon zur damaligen Zeit wegen ihrer Erzvorkommen und der Olivenproduktion ein wichtiger Standort war. Der Direktor der Schule Ricardo Muñoz, der uns am ersten Tag begrüßte, stellte sich als Experte der Stadtgeschichte und passionierter Geschichtenerzähler heraus. Unsere beiden Erasmus+ Koordinatoren Dani Vera und Cristina Castro versorgten uns rund um die Uhr mit Informationen, Ratschlägen, Essen und herzlicher Zugewandtheit.
Die zweite Frage ist nicht so einfach zu beantworten, lässt sich aber in mehrere Unterthemen aufteilen:
1. Kennenlernen der kulturellen Vielfalt – ¡En español, por favor!
Die Schülerinnen und Schüler tauchten auf verschiedene Art und Weise in die spanische Kultur ein. Sie besuchten die Familien der spanischen Austauschpartner, um zusammen zu Abend zu essen, zu spielen und zu tanzen. Tanz wurde auch in einem Workshop großgeschrieben, angeleitet von einer Lehrerin erlernten sie die Grundschritte der Sevillana, eines typischen andalusischen Tanzes. Unsere Erasmus+ Koordinatorin Cristina zeigte uns, wie man eine Tortilla de Patatas zubereitet, ein Kartoffelomelett, das in Spanien selten beim Abendessen fehlt. Die theatralische Führung im Castillo de Almodóvar del Río zählte hierbei zu einem der kulturellen Höhepunkte, wurde doch auf spielerische Weise die bewegte Geschichte der Burg und damit des Ortes als Zankapfel zwischen den Regionalmächten Sevilla und Córdoba deutlich. Die sehr aufwändige und ansehnliche Restauration führte dazu, dass auch die Filmer der Serie Game of Thrones auf die Burg aufmerksam wurden und sie zur Stammburg „Rosengarten“ des Hauses Tyrell machten. Ein Besuch der Catedral-Mezquita in Córdoba ließ auch die religiöse Vergangenheit der Region deutlich werden. Viele kulturelle Eindrücke, die sicherlich noch Zeit zur Verdauung benötigen werden.
2. Das Projekt „In einer grünen Schule lernen, nachhaltiger im Alltag handeln“
Zusammen mit den spanischen Partnern arbeiteten die Schülerinnen und Schüler intensiv an dem Projekt. Die spanische Seite bereitete eine nachhaltige Führung sowohl durch die Innenstadt von Almodóvar del Rio als auch durch die Schule vor, die uns auf verschiedene Art und Weise näherbrachte, was das Thema „Nachhaltigkeit“ für Spanier bedeutet und wie es angegangen wird. Dabei konnten wir feststellen, dass sowohl Gemeinsamkeiten, die Mülltrennung, die Förderung der Nutzung von Fahrrädern als auch Unterschiede, Verwendung von pflanzlichem Material für den 3D-Drucker, kreative Sammelstationen für recycelbaren Müll, eine App für Fahrgemeinschaften für Schüler und Lehrer existierten. In einer Arbeitsphase stellten die Schülerinnen und Schüler ein Ampelsystem auf, das zeigt, was sich an den unterschiedlichen Schulen verbessern ließe, grüne Ampel, was eine gute Idee, aber schwer realisierbar, gelbe Ampel, und was aus verschiedenen Gründen nicht umsetzbar ist, rote Ampel. Mit diesem Ergebnis können die beiden Gruppen in ihren Stammschulen nun aktiv werden und bis zum nächsten Treffen an der Umsetzung arbeiten. Ein Besuch in Cabril, dem einzigen Endlager für schwach und mittel belastete radioaktive Abfälle in Spanien, rundete die projektbezogene Arbeit ab. Der Besuch der Anlage machte auf der einen Seite deutlich, dass Spanien weiterhin auf nukleare Energiegewinnung setzt, und auf der anderen Seite, dass das Problem der radioaktiven Müllentsorgung ein riesiges und risikobehaftetes Thema bleibt. Die Abfälle müssen möglichst kontaktfrei aufgearbeitet und für mindestens 300 Jahre sicher gelagert werden.
3. Digitalisierung
Am letzten Tag setzten sich die Schülerinnen und Schüler zunächst mit einer ökologischen Finca auseinander, die hochwertiges und ökologisch hergestelltes Olivenöl vertreibt. Der Geschmackstest war für alle ein unvergessliches Erlebnis. Zurück in der Schule wurde das zweite große Thema, die Digitalisierung, in Angriff genommen. Oder besser gesagt: Sie wurde zusammengefasst und ins Format gebracht. Denn schon während der Führungen und der einzelnen Workshops war ersichtlich, dass die IES Cárbula über ein funktionierendes und gut ausgebautes Netz und auch über digitale Endgeräte verfügt, die ein modernes Lernen voraussetzt. In Interviews mit Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und anderem schulischen Personal wurde versucht, mehr über die Bedeutung der Digitalisierung für die schulische Entwicklung zu erfahren. Zusätzlich wurde der Frage nach der Wichtigkeit Europas für die Schulfamilie nachgegangen, schließlich wandelte die Gruppe auf europäischen Pfaden, dank der Unterstützung des Erasmus+ Programmes.
Doch was haben die Schülerinnen und Schüler im Endeffekt aus Almodóvar del Río mitgebracht?
Nachhaltige und digitale Ideen, die am MWG vorgestellt und umgesetzt werden sollen, außerdem drei Rezepte für das Café Blu, die die Schülerinnen und Schüler aus den Familien mitgebracht haben, und die vielleicht demnächst auf dem Speiseplan des Café Blu stehen, vertiefte Sprachkenntnisse in der spanischen Sprache, zahlreiche Erfahrungen, spannende Begegnungen, lautes Lachen im Herzen, neues Wissen und neue Freunde.
Was kann man sich für ein Erasmus+ Projekt mehr wünschen?
Thomas Raps

