Berichte
aus dem Schulleben und den Fachbereichen
Auftakt zum „Abenteuer Unternehmensgründung“
Von der Idee zum erfolgreichen Geschäftsmodell
Am 13. Oktober ist die 10. Jahrgangsstufe des MWG in eine neue Runde des Projekts „Abenteuer Unternehmensgründung" gestartet. Im Fach Wirtschaft und Recht entwickeln die Schülerinnen und Schüler eigene Geschäftsideen und erfahren dabei ganz praktisch, was bei einer Gründung alles bedacht werden muss. Zum Auftakt kamen zwei Gäste: Klaus Herold von der Firma medi, ein ehemaliger MWG-Schüler und kein Unbekannter an der Schule, und zum ersten Mal die Patentanwältin Dr. Alexandra Sperschneider.
Projektmanagement: Wer ein Ziel erreichen will, braucht einen Plan
Herold begann mit der Frage, was ein Projekt überhaupt ist. Das morgendliche Zähneputzen ist Routine. Ein Projekt dagegen hat einen klaren Anfang und ein konkretes Ziel. Damit man dort ankommt, sollte man früh klären, welche Mittel zur Verfügung stehen, wer im Team welche Aufgabe übernimmt und bis wann was erledigt sein muss.
Wie wichtig dabei das Setzen von Prioritäten ist, veranschaulichte Herold anhand eines bekannten Gedankenexperiments nach Stephen R. Covey: Wird ein großes Glas zunächst mit Sand gefüllt, bleibt kaum Platz für größere Kieselsteine. Befüllt man es hingegen zuerst mit den großen Steinen, kann der Sand anschließend die verbliebenen Zwischenräume ausfüllen. Die Botschaft dahinter: Wer sich zuerst den wirklich wichtigen Aufgaben widmet, schafft die Grundlage für ein erfolgreiches Projekt.
Genauso wichtig sei es, im Team miteinander zu reden. Herold verglich das mit einer Ehe, die ebenfalls nur gelingt, wenn man im Gespräch bleibt. Außerdem machte er den Jugendlichen Mut, Entscheidungen zu treffen. Selbst eine falsche sei meist besser als keine, denn wer nichts entscheidet, kommt nicht voran.
Mutige Ideen für eine Welt im Wandel
Herold sprach auch über das Umfeld, in dem die Teams ihre Ideen entwickeln. Die Abkürzung VUCA steht für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit. Veränderungen sind normal geworden, und gefragt sind Menschen, die Probleme hinterfragen und neue Lösungen finden.
Eine gute Geschäftsidee beginnt laut Herold nicht bei dem, was man selbst gern verkaufen würde, sondern bei dem, was Kunden tatsächlich brauchen. Den Teams gab er drei Fragen mit: Was wollen die Kunden wirklich? Welches Problem löst mein Produkt? Welchen Mehrwert hat es für sie? Manchmal gibt dabei sogar ein emotionaler Zusatznutzen den Ausschlag.
Gute Ideen verdienen Schutz – Einblicke in die Welt der Patente und Marken
Dr. Sperschneider erklärte, worin sich Patente, Gebrauchsmuster, Marken und Designs unterscheiden und welche Voraussetzungen jeweils erfüllt sein müssen. Beim Markenrecht wurde sie besonders konkret: Eine Marke braucht einen eigenen „Fingerabdruck". Sie muss unverwechselbar sein und sich einprägen. Namen, die nur beschreiben, was ein Produkt ist oder wofür man es benutzt, taugen dafür meist nicht.
Ihr Rat an die Teams: bei der Namenssuche ruhig kreativ werden und vor der endgültigen Entscheidung für einen Produktnamen oder eine technische Lösung nachsehen, ob es dafür schon Schutzrechte gibt. Wie das geht, zeigte sie an den Recherchemöglichkeiten des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA), des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) und des Europäischen Patentamts (EPA).
Eine gute Marke braucht einen eigenen „Fingerabdruck“ – sie muss unverwechselbar sein und Wiedererkennungswert besitzen.
In den nächsten Monaten stehen für die Zehntklässler Marktanalysen, Marketing, Finanzierung und Unternehmensorganisation auf dem Plan. Im Frühjahr 2027 stellen die Teams ihre Konzepte bei einer schulinternen Veranstaltung nach dem Vorbild von „Die Höhle der Löwen" einer Jury vor.
Ein herzlicher Dank gilt Klaus Herold und Dr. Alexandra Sperschneider für ihre Zeit, ihr Engagement und die zahlreichen praxisnahen Impulse. Beide zeigten auf eindrucksvolle Weise, wie wertvoll der Austausch zwischen Schule und Wirtschaft ist und wie wichtig es ist, junge Menschen frühzeitig für unternehmerisches Denken, Kreativität und Eigeninitiative zu begeistern.
Denn eines wurde an diesem Vormittag besonders deutlich: Erfolgreiche Unternehmensgründungen beginnen nicht mit einer perfekten Idee, sondern mit dem Mut, aus einer Idee etwas zu machen.
Friedrich, Hertkorn, Müller
